Vier Kerzen - Eine alte Volksmär

Dort, wo nichts ist, zwischen den Welten, dort wo die Zeit beginnt, und wo die Zeit endet, dort brennen vier Kerzen, in einem kleinen Raum.

Jeden Tag betritt ein Kind der Zeit den Raum um zu überprüfen, ob die Kerzen noch brennen. Es spricht ihre Namen, lobt sie für das schöne Licht das sie abgeben und tanzt vor Freude. Die Namen der Kerzen sind Liebe, Hoffnung, Freundschaft und Hingabe.

Eines Tages aber kam das Kind der Zeit in den Raum, und die Flammen waren beinahe erloschen. Da rannte es los um Hilfe zu holen und bis es zurückkam, brannte nur noch ein winziges Flämmchen an einer Kerze und der Raum wirkte dunkel und kalt.

Da brach das Kind in Tränen aus und trauerte um den Verlust des Lichtes. Es weinte zum ersten Mal, und die Tränen fielen dick und schwer auf den Boden.

Doch jene, die es um Hilfe gerufen hatte, nahm vorsichtig die letzte Kerze auf und sprach lächelnd:

"Habe keine Angst, mein Kind. Auf der Welt mag die Liebe verloren sein, die Freundschaft vergessen und die Hingabe erstickt. Doch solange die Hoffnung in nur einem Leben brennt, solange noch ein Funke Hoffnung auf der Welt weilt, solange gibt es immer Licht. Ein einfaches Lächeln, ein schöner Gedanke, eine helfende Hand oder eine einzelne gute Tat ist ausreichend, um ihre Flamme am Leben zu erhalten."

Und das Kind schniefte, sah auf und fragte: "Aber wie kann ein einzelner Funke gegen die ganze große Finsternis bestehen?"

Und jene antwortete: "Alles Leben sucht das Licht. Und irrt es auch noch so ziellos umher, so strebt es jedem noch so kleinen Funken entgegen und lässt sich von ihm wärmen. So kann aus jedem kleinen Funken ein Feuer werden."

"Und wenn der Funke nicht stark genug ist? Was, wenn er erlischt?"

"Nur wo es Licht gibt, kann es auch Dunkelheit geben. Erlischt das Licht, kann es auch die Dunkelheit nicht mehr geben, und so verliert sich alles im Nichts."

Und das Kind fragte: "Weiß die Dunkelheit das denn auch?"

"Natürlich. Denn obgleich sie alle anderen Kerzen erloschen hat, so hat sie einen kleinen Funken gelassen, durch den sie bestehen kann. Dieser Funke heißt Hoffnung, und so lange es Hoffnung gibt, geht das Leben weiter."

Und da nahm sie die Kerze und entzündete vorsichtig die anderen, und bald brannten sie wieder hell und klar und tauchten den Raum in ein warmes, angenehmes Licht. Da wischte das Kind der Zeit sich die Tränen aus dem Gesicht und lächelte. Nun wusste es, dass niemals alles verloren war, denn solange es noch einen Funken Hoffnung gab, würden Freundschaft, Hingabe und Liebe niemals verloren sein.

Reise durch Karnovia - Kaspar vom Krähenschlag

Karnovia, oh Karnovia. Du wunderschönes Land, mit deinen Bergen und Auen, mit deinen Nebelverhangenen Tälern und deinen knorrigen Bäumen, mit deinen Stoppelfeldern und deiner felsigen Küste. Kein Land in der weiten Welt fesselt mich so wie du. Wohin ich auch gehe, immer wünsche ich mich in deine Arme zurück.

Doch wo mich deine Schönheit umarmt, jagt mich der Schrecken, plagt mich die Angst und ruht in mir die Überzeugung, dass etwas unternommen werden muss. Denn dieses Land braucht Hilfe. Denn in Karnovia haust der Schrecken, lauert der Tod, lebt, was niemals leben sollte.

Ich schrieb die folgenden Zeilen auf meiner letzten Reise durch Karnovias Dörfer, wo ich den Einheimischen Lieder von Hoffnung und Frieden sang, und viel über ihr Liedgut lernte. Eine Art ... Tagebuch. Und ich möchte es nun mit euch teilen, denn ich hege die Hoffnung, dass meine einfachen Worte euch dazu bewegen, den Einwohnern Karnovias zur Hilfe zu eilen.

Reise durch Karnovia - Raustürze, Nordgrenze Karnovias

Karnovia. Endlich habe ich dich wieder. Du siehst aus, wie ich dich verlassen habe. Unter mir stürzt der Rau über einhundert Schritt in die Tiefe, das Donnern des Wassers ist gewaltig und dringt von unten bis hier herauf. Ich kann von hier aus das ganze Tal überblicken, von den Bergen im Westen bis zur See im Osten. Von hier, bis hinunter nach Graufurt. Mitten aus den dichten Wäldern erhebt sich das Schloß des Fürsten, wie ein Finger durch den Nebel. Ich werde den Abstieg beim Licht des morgigen Tages beginnen, auch wenn heute noch genug Zeit wäre. Habe keine Lust auf eine Begegnung mit den Rau-ri.

Reise durch Karnovia - Ban’dur, Nordosten

Nach einigen Schwierigkeiten mit den Rau-ri ist es mir gelungen wieder ein Stück in die Berge zu kommen und mich dort zu verstecken. Über mir ragen die steinernen Gesichter der alten Zwergenbinge Ban'dur auf. Als ich jünger war, habe ich mir oft geschworen eines Tages mit ein paar tapferen Abenteurern hierher zu kommen und die dunklen Hallen zu erforschen. Heute missfällt mir alleine schon der Gedanke, dass ich hier mein Lager aufschlagen muss. Es ist allgemein bekannt, dass es hier keine Zwerge mehr gibt. Wichtiger allerdings ... es scheint hier auch sonst nichts zu geben was lebt. Von den Toten spreche ich nicht. Was dort im Dunkeln lauert, bleibt heute Nacht auch besser dort.

Mir sind ein paar Zeilen eingefallen: 

Ban'dur, tief im Dunkeln. 
Ban'dur, wie ein Schatten in meinem Rücken. 
Ban'dur, du würdest mich verzücken, 
würd man über dich nur gutes munkeln.

Ich schätze, mein bestes Gedicht wird es nicht.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok