Reise durch Karnovia - Tal von Ban’dur, Nordosten

Nach einer kurzen Nacht ohne schlimmere Vorkommnisse habe ich der Festung den Rücken gekehrt und bin wieder hinab ins Tal gestiegen. Der Duft von Blumen und Gräsern empfängt mich. Ich befinde mich nahe des Dorfes Siebgrund, eine Ansiedlung von Bergarbeitern und Steinmetzen. Leider hatte ich bei meiner letzten Reise einige Schwierigkeiten mit der Stadtwache und den Soldaten des Fürsten wegen einer Äußerung hinsichtlich bestimmter Gliedmaßen des Wachkommandanten, daher habe ich mich dieses Mal gegen einen Aufenthalt entschieden.

Man sollte vielleicht festhalten, dass man in Siebgrund großteilig Stein schlägt. Die Minen geben kaum Erze her, obwohl der Fürst die Bemühungen in den letzten Jahren stark erhöht hat. Es finden sich Menschen aus allen Teilen Karnovias hier. Die meisten werden zur Arbeit gezwungen, weil sie des Fürsten Steuern nicht zahlen konnten oder sich sonst wie seinen Unmut zugezogen haben. Einige wenige haben das Pech, in der Stadt geboren worden zu sein.

Reise durch Karnovia - Siebgrund

Natürlich. Ausgerechnet wenn ich zur Mittagszeit unter einem Baum einschlafe, kommt eine Patrouille vorbei. Schön blöd, Kaspar. Glücklicherweise hat man mich nicht erkannt, wohl aber mein Instrument. Heute Abend durfte ich in der Kaserne für die Soldaten spielen. Gutes Essen, harter Alkohol und Frauen aus den Arbeiterquartieren. Die Stimmung war hart und ungehobelt, wie ich es von den Soldaten des Fürsten gewohnt bin. Um einen aufkeimenden Streit zwischen zwei Offizieren zu entschärfen, habe ich ein Lied zum Mitsingen gespielt, die Stimmung wurde aber jäh zerstört, als der kommandierende Ritter die Kaserne betreten hat. Seine kalten, eisigen Augen haben mir eine Scheißangst eingejagt. Wenigstens haben sie mich gehen gelassen. Die Nacht verbringe ich an der Stadtmauer. Es regnet. Hauptsache raus.

Reise durch Karnovia - Altenweid

Habe das Dorf Altenweid erreicht. Die knorrige alte Weide steht immer noch im Herzen der Stadt, die wenigen Hütten klammern sich an den Dorfkern wie Ertrinkende an einen Baumstamm. Obgleich man mich hier empfängt wie einen verlorenen Sohn, schmerzt mich der Anblick. Das Lachen ist verschwunden, seit der Fürst als drakonische Maßnahme alle Kinder hat abholen lassen. Der Dorfvorsteher erzählt mir lange, wie es ihnen ergangen ist. Die Stimmung ist mutlos. Ich versuche ein wenig Licht ins Dunkel der Nacht zu bringen, aber wirklich gut kommen nur die traurigen Balladen an. Die alte Weide wiegt sich im Klang meiner Stimme und wiederholt glaube ich, dass sie mit dem Dorf trauert. Einige der jüngeren haben letztens den Versuch unternommen, im Alten Moor ein verstecktes zweites Dorf zu errichten. Sie sind nie zurückgekehrt.

Reise durch Karnovia - Straße nach Nordlauf, Rausee

Ich nähere mich dem Dorf Nordlauf, welches an am Rauseefall liegt. Der Rausee liegt wie immer still und irgendwie unheimlich da. Sanfter Nebel spielt über die spiegelnde Oberfläche. Man erzählt sich, dass hier eine ganze Kompanie im großen Krieg verschwunden sei, dass das Wasser sie geholt hätte und dass man ihr Klagen manchmal in der Nacht hören könne. Ich höre nur Frösche. Als ich mich hinlege, erscheinen seltsame Lichter über dem Wasser. Sie scheinen aber kein Interesse an einem reisenden Spielmann zu haben und verschwinden nach einiger Zeit wieder. Wünsche mir Begleitung.

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