Reise durch Karnovia - Kaspar vom Krähenschlag

Karnovia, oh Karnovia. Du wunderschönes Land, mit deinen Bergen und Auen, mit deinen Nebelverhangenen Tälern und deinen knorrigen Bäumen, mit deinen Stoppelfeldern und deiner felsigen Küste. Kein Land in der weiten Welt fesselt mich so wie du. Wohin ich auch gehe, immer wünsche ich mich in deine Arme zurück.

Doch wo mich deine Schönheit umarmt, jagt mich der Schrecken, plagt mich die Angst und ruht in mir die Überzeugung, dass etwas unternommen werden muss. Denn dieses Land braucht Hilfe. Denn in Karnovia haust der Schrecken, lauert der Tod, lebt, was niemals leben sollte.

Ich schrieb die folgenden Zeilen auf meiner letzten Reise durch Karnovias Dörfer, wo ich den Einheimischen Lieder von Hoffnung und Frieden sang, und viel über ihr Liedgut lernte. Eine Art ... Tagebuch. Und ich möchte es nun mit euch teilen, denn ich hege die Hoffnung, dass meine einfachen Worte euch dazu bewegen, den Einwohnern Karnovias zur Hilfe zu eilen.

Reise durch Karnovia - Raustürze, Nordgrenze Karnovias

Karnovia. Endlich habe ich dich wieder. Du siehst aus, wie ich dich verlassen habe. Unter mir stürzt der Rau über einhundert Schritt in die Tiefe, das Donnern des Wassers ist gewaltig und dringt von unten bis hier herauf. Ich kann von hier aus das ganze Tal überblicken, von den Bergen im Westen bis zur See im Osten. Von hier, bis hinunter nach Graufurt. Mitten aus den dichten Wäldern erhebt sich das Schloß des Fürsten, wie ein Finger durch den Nebel. Ich werde den Abstieg beim Licht des morgigen Tages beginnen, auch wenn heute noch genug Zeit wäre. Habe keine Lust auf eine Begegnung mit den Rau-ri.

Reise durch Karnovia - Ban’dur, Nordosten

Nach einigen Schwierigkeiten mit den Rau-ri ist es mir gelungen wieder ein Stück in die Berge zu kommen und mich dort zu verstecken. Über mir ragen die steinernen Gesichter der alten Zwergenbinge Ban'dur auf. Als ich jünger war, habe ich mir oft geschworen eines Tages mit ein paar tapferen Abenteurern hierher zu kommen und die dunklen Hallen zu erforschen. Heute missfällt mir alleine schon der Gedanke, dass ich hier mein Lager aufschlagen muss. Es ist allgemein bekannt, dass es hier keine Zwerge mehr gibt. Wichtiger allerdings ... es scheint hier auch sonst nichts zu geben was lebt. Von den Toten spreche ich nicht. Was dort im Dunkeln lauert, bleibt heute Nacht auch besser dort.

Mir sind ein paar Zeilen eingefallen: 

Ban'dur, tief im Dunkeln. 
Ban'dur, wie ein Schatten in meinem Rücken. 
Ban'dur, du würdest mich verzücken, 
würd man über dich nur gutes munkeln.

Ich schätze, mein bestes Gedicht wird es nicht.

Reise durch Karnovia - Siebgrund

Natürlich. Ausgerechnet wenn ich zur Mittagszeit unter einem Baum einschlafe, kommt eine Patrouille vorbei. Schön blöd, Kaspar. Glücklicherweise hat man mich nicht erkannt, wohl aber mein Instrument. Heute Abend durfte ich in der Kaserne für die Soldaten spielen. Gutes Essen, harter Alkohol und Frauen aus den Arbeiterquartieren. Die Stimmung war hart und ungehobelt, wie ich es von den Soldaten des Fürsten gewohnt bin. Um einen aufkeimenden Streit zwischen zwei Offizieren zu entschärfen, habe ich ein Lied zum Mitsingen gespielt, die Stimmung wurde aber jäh zerstört, als der kommandierende Ritter die Kaserne betreten hat. Seine kalten, eisigen Augen haben mir eine Scheißangst eingejagt. Wenigstens haben sie mich gehen gelassen. Die Nacht verbringe ich an der Stadtmauer. Es regnet. Hauptsache raus.

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